Tendenzen der Westwahrnehmung bei iranischen Intellektuellen

Verantwortlicher Dr. Urs Gösken
Trägerschaft Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Phililogie
Betreuung Prof. Dr. Ulrich Rudolph (U Zürich)
Finanzierung Kantonale Mittel

Bedeutende Strömungen der Westwahrnehmung in Iran unterscheiden sich erheblich von denen in anderen islamischen Gebieten ausserhalb des Iran – dies, obwohl die äussere Situation, die es den Muslimen unabdingbar erscheinen liess, sich mit dem Westen im theoretischen und praktischen Bereich auseinanderzusetzen, im Iran und ausserhalb vergleichbar ist. Die historische Situation, in der sich die Muslime durch nicht-islamische, abendländische Macht und Kultur in ihren eigenen Gebieten herausgefordert sahen und die ihnen die Auseinandersetzung mit dem Westen im praktischen und theoretischen Bereich unabdingbar erscheinen liess, war im Iran mehr oder weniger dieselbe wie in anderen betroffenen islamischen Gebieten auch. Umso mehr fällt auf, dass viele der bedeutenden Richtungen der Auseinandersetzung mit dem Westen im Iran sich in ihren Grundzügen von denen vieler bedeutender Tendenzen der Westwahrnehmung in vielen islamischen Gebieten ausserhalb des Iran erheblich unterscheiden. Die Ursache für diese Eigenheiten der Westbetrachtung sowie diese Eigenheiten selbst zu untersuchen, ist Schwerpunkt dieses Forschungsvorhabens. Als besonders lehrreich erweist sich dabei die Hinterfragung der epistemologischen Grundlagen des Westens bei philosophisch geschulten religiösen Intellektuellen des Iran wie `Allâmeh Mohammad-Hoseyn Tabâtabâ'î und Mortezâ Motahharî in dem Werk "Osûl-e falsafeh va ravesh-e re'âlîsm". Diesem Werk gilt denn auch das besondere Augenmerk der Untersuchung. Die Dissertation versucht, diese Unterschiede in der Westwahrnehmung iranischer Intellektueller sowie die Entstehung und die Grundzüge dieser Westwahrnehmung aus den Eigenheiten der iranischen Geistesgeschichte selbst heraus verständlich zu machen.