Theorie und Praxis islamischer Wohltätigkeit in einer nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft am Beispiel der Schweiz

Verantwortliche Dr. Silvia Martens
Trägerschaft Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Phililogie
Betreuung Prof. Dr. Anke von Kügelgen
Finanzierung Schweizerischer Nationalfonds

Das Dissertationsprojekt strebt an, Einblicke in die Wohltätigkeitskonzepte und die praktizierte Wohltätigkeit von Muslimen in der Schweiz zu geben. Es knüpft einerseits an aktuelle Debatten über islamische Wohltätigkeitsmodelle in muslimischen Ländern sowie andererseits an internationale Diskussionen über die Unterstützung von Terrorismus durch islamische Hilfswerke an.  Ziel ist es, Erkenntnisse über die Vorstellungen und Formen von Wohltätigkeit in den muslimischen Gemeinschaften in der Schweiz zu gewinnen, insbesondere ob, über welche Mechanismen und wofür Muslime spenden und anderweitiges wohltätiges bzw. zivilgesellschaftliches Engagement zeigen. Neben dem Spendeverhalten bezieht der in dieser Arbeit verwendete Wohltätigkeitsbegriff auch das Stiften, formelle ehrenamtliche Tätigkeiten sowie informelle Hilfeleistungen ein. Dabei sollen zum einen individuelle Profile erfasst und analysiert werden und zum anderen einander ähnelnde Profilgruppen im Sinne von Idealtypen nach Wohltätigkeitstypen klassifiziert werden.  Zentrale Fragen sind: An welchen Normen orientieren sich Muslime in der Schweiz in ihrer Wohltätigkeit? Welche Bedeutung haben Vorstellungen und Traditionen aus den Ursprungsländern und welchen Einfluss übt das jeweilige soziale Umfeld in der Schweiz auf sie aus? Inwieweit hat die religiöse bzw. ideologische und die nationale Ausrichtung eines Vereins Einfluss auf die Bildung dieser Vorstellungen und das tatsächliche Spendeverhalten seiner Mitglieder und regelmäßigen Besucher? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Geber und Empfänger einer Gabe? In Bezug auf die Integrations- und Minderheitenthematik in der Schweiz ist es von großem Interesse zu erforschen, inwieweit wohltätige Einrichtungen und Praktiken den Muslimen in der Schweiz und möglicherweise auch Nichtmuslimen zugute kommen und die „Wohltäter“ damit einen Beitrag zur Verbesserung ihrer eigenen Lebenssituation leisten sowie zur sozialen und politischen Integration in die Mehrheitsgesellschaft und zu einer stärkeren Akzeptanz innerhalb der Mehrheitsbevölkerung beitragen. Der theoretische Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Gegenstandsbestimmung und mit normativen und sozialen Aspekten muslimischer Wohltätigkeit. Der empirische Teil der Untersuchung ist akteursbezogen und einem mikrohistorischen Ansatz verpflichtet. Er bedient sich qualitativer sowie quantitativer Methoden und zielt auf ein deskriptiv-explorierendes Nachvollziehen der Wohltätigkeitsvorstellungen und –praktiken von Muslimen in der Schweiz. Dabei sollen sowohl die subjektiv-intentionalen Sinngehalte der einzelnen Individuen erhoben und beschrieben als auch die mit anderen Muslimen wie auch der Schweizer Mehrheitsbevölkerung sozial geteilten Sinngehalte und Deutungsmuster rekonstruiert werden. Dies impliziert die Erfassung des jeweiligen soziopolitischen Kontextes, in dem die beteiligten Akteure (Geber, Vermittler, Empfänger) agieren.

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