The Roots of Citizenship? The Politics of Participation in Syria, Lebanon and Turkey Between Two Ages (1880-1940)

Verantwortliche Dr. Nina Salouâ Studer, Nadja El-Shami, M.A.
Trägerschaft Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Phililogie
Betreuung Prof. Dr. Henning Sievert
Finanzierung Schweizerischer Nationalfonds

Der Nahe Osten erlebte im frühen 20. Jahrhundert tiefgreifende Umbrüche. Auf den ersten Blick gestalteten fremde Mächte und einheimische Eliten diese Prozesse, während politische Partizipation und demokratische Öffentlichkeit nur als westliche Importe denkbar scheinen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass traditionelle Teilhabeformen sich bereits seit spätosmanischer Zeit wandelten. Doch was für Formen von Teilhabe und politischer Kommunikation jenseits der Eliten existierten zuvor, und wie veränderten sie sich im Zuge der Umbrüche?

Das Projekt untersucht anhand von Fallstudien in der historisch zusammenhängenden Region des heutigen Libanon, Syriens und der südlichen Türkei, welche Interessen, Strategien und Handlungsmöglichkeiten lokale Gemeinschaften hatten und wie diese sich veränderten. Dieser Wandel wird erfasst, indem die etablierten Epochengrenzen überschritten werden, da dieselben Personen vor Ort es nacheinander mit wechselnden Regimes zu tun hatten. Indem die lokalen Akteure in den Mittelpunkt gestellt werden, geraten wesentliche Kommunikationszusammenhänge in den Blick, die durch spätere Grenzziehungen abgebrochen wurden.

Auf Grundlage arabischer und osmanisch-türkischer Petitionen, Polizeiakten und Pressetexte wird analysiert, wie Aushandlungsprozesse und Konflikte sich auf den Ebenen sprachlicher Kommunikation und personaler Beziehungen veränderten. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zum tiefer gehenden Verständnis der politischen Dynamik im Nahen Osten. Das Projekt erschliesst den historischen Erfahrungsraum lokaler Akteure, der in spätere Nationalgeschichtsschreibung eingepasst oder von ihr marginalisiert wurde. Damit soll es Anstösse dafür geben, die jüngere Geschichte der Region neu zu lesen.