Selbstauslegung und Selbstkonstruktion pakistanischer Militärangehöriger

Durchgeführt von Manuel Uebesax, Lic. phil.

Trägerschaft: Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie

Verantwortliche Betreuung: Prof. Dr. Reinhard Schulze

Finanziert durch den Schweizerischen Nationalfonds

Zusammenfassung

In diesem Projekt wird anhand von Autobiographien und Memoiren die Selbstauslegung und Selbstkonstruktion pakistanischer Militärangehöriger in ihrem Milieu und sozialem Feld untersucht, mit dem Ziel, Erkenntnisse über die soziale Stellung und Kohäsion des Militärs vor dem Hintergrund des sozialen Wandels in Pakistan zu gewinnen. Diese Forschung versteht sich als Beitrag zur Analyse der Rolle des Militärs bei der politischen und sozialen Integration beziehungsweise Desintegration in Pakistan in der Gegenwart. Als Quellen für die Untersuchung dienen bis 2010 publizierte autobiographische Texte pakistanischer Militärangehöriger aller Truppengattungen. Autobiographien und Memoiren werden bei der Untersuchung sowohl als Produkt eines sozialen Milieus betrachtet, in welchem die Vergangenheit und das Selbstbild kommunikativ verhandelt wird, als auch als Produkt einer (indo-)britisch militärischen Texttradition, das stark auf den Kontext der pakistanischen Militärgeschichte verweist und dem im Milieu eine besondere Kohäsionsfunktion zukommt. Gefragt wird nach der kollektiven Selbstkonstruktion pakistanischer Militärangehöriger, wobei die autobiographischen Texte als Schlüssel für die Untersuchung der Akteursperspektive und des sozialen Milieus nutzbar gemacht werden. Kenntnisse der Innensicht, des sozialen Milieus und des sozialen Felds sowie der Selbstauslegung dieser wichtigen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Gruppe erlauben neue Schlüsse über die vergangene und gegenwärtige Rolle des Militärs in der pakistanischen Gesellschaft. Dies ist besonders heute von Interesse, da allmählich eine Konkurrenz zwischen zivilgesellschaftlichen und militärischen Interessen entsteht und sich diesbezüglich die Frage stellt, inwieweit die gesamtstaatliche Integration vom sozialen und wirtschaftlichen Erfolg des Militärs abhängig ist.